Gedanken zur Jagd

Jagd wird mitunter als Handwerk bezeichnet. Ich halte diese Aussage nur bis zu einem bestimmten Grade für zutreffend.

Denken wir daran, dass wir mit dem Schlusspunkt unseres Jagens - dem Schuss - unwiederbringlich in Gottes Schöpfung eingreifen. ER hat zwar gesagt: "Macht Euch die Erde untertan", aber gehört das dazu? So denke ich, stoßen wir mit unserem Handwerk an Grenzen. Handwerk ist zu wenig für unsere Jagd. Mit dem Begriff "Handwerk" erfasse ich sicher das handwerkliche Können, wie richtiges Ansprechen, leises Pürschen, sauberes Schießen oder fachgerechtes Versorgen.
Aber mit Handwerk erfasse ich nicht den Frühlingsmorgen im Hochgebirge auf der Birkhahnbalz, wenn diese plötzlich durch das Erscheinen eines Luchses gestört wird, wie ich es erleben durfte, mit Handwerk erfasse ich nicht den erwachenden Frühsommer-Morgen mit seinem ergreifenden Konzert aus zahllosen Vogelstimmen, mit Handwerk erfasse ich nicht den Zwiespalt zwischen meiner Liebe zu den Tieren und ihrer Bejagung.

Natürlich müssen wir unser Handwerk beherrschen, aber dieser Zwiespalt in vielfältiger Art und Weise gehört für mich dazu und ist für mich, für mein Jagen vielleicht ausschlaggebend.
Ich lebe als gläubiger Mensch mit und in diesem Konflikt, dass ich SEINE Geschöpfe, und das sind auch unsere jagdbaren Tiere, liebe, ihnen nachstelle und in letzter Konsequenz erlege. Und trotzdem jage ich gerne, und was man mit Freude und ganzem Herzen tut, gelingt auch! Bin ich ein Heuchler? Ich kann keine für jeden gültige Antwort für diesen Zwiespalt geben.



Und dennoch jage ich gerne ! Und dazu bekenne ich mich auch. Wir dürfen uns vor dem nichtjagenden Teil der Bevölkerung nicht hinter Ausreden verstecken, wie: „wir müssen jagen um das Gleichgewicht der Natur zu erhalten“ oder: „weil die großen Raubtiere in unserer Heimat fehlen“, oder: „weil sonst in Wald und Feld zu große Schäden durch das Wild angerichtet werden“, oder was es sonst noch für Argumente gibt. Mir macht die Jagd schließlich Freude und dazu gehört auch der Schuss.

Wenn ich Nichtjägern versuche verständlich zu machen, dass Jagen nicht allein Schießen bedeutet, sondern Frühsommer-Morgen mit Vogelgesang, das Genießen eisigkalter mondheller Fuchsansitze, fröhliches gemeinschaftliches Erleben winterlicher Jagden auf Sauen, dass Jagen gleichbedeutend ist mit Staunen, Erleben, dem Bewundern und Bewahren von Gottes Schöpfung und ihnen meine Freude daran bekenne, stoße ich meistens auf Verständnis.

Für mich gehört dieser Zwiespalt zwischen der Ehrfurcht vor Gottes Geschöpfen, der Liebe zu den Tieren und schließlich das Nachstellen mit Schuß und Freude an einer Trophäe dazu. Freude an einer Trophäe ja, reduzieren der Freude auf Kilogramm und Punkte nein.

Ich möchte deutlich machen, dass zum Handwerk etwas hinzukommt, was schwer zu erklären ist: Waidgerechtes Jagen sowie Jagdethik, ungeschriebene Gesetze der Waidgerechtigkeit die wir nicht vergessen dürfen.

Vom Ehrenvorsitzenden der Waldeckischen Jägerschaft,
Prinz Georg-Friedrich zu Waldeck und Pyrmont.



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